Die neue Volksmusik aus der Kleinkunstszene

In den Siebziger und Achtziger Jahren haben sich in Münchner Kleinkunstbühnen verschiedene Gruppen herauskristallisiert, die auf der Tradition bayerischer Volkssänger und Volksmusikanten aufbauten. Diese Entwicklung wäre ohne die Liederbücher und gesammelten Schätze eines Kiem Pauli oder Wastl Fanderl nicht denkbar gewesen. Manche dieser Gruppen - wie unsere auch - engagierten sich zunächst vor allem im Umweltbereich, zum Beispiel gegen Projekte wie Wackersdorf. Diese Gruppen waren Teil einer musikalischen Kleinkunstszene Münchens - die es heute leider nicht mehr gibt-, aus der sich die sogenannte neue Volksmusik entwickelte. Auch in diesem Bereich gibt es, wie bei jeder Musik, gute und schlechte. Ich glaube aber, daß vor allem diese Entwicklung eine Chance für die Fortsetzung einer volksmusikalischen Tradition bedeuten kann, weil Texte und Inhalte aktualisiert werden und wieder mit der Wirklichkeit und dem jetzigen Leben zu tun haben und somit auf der Höhe der Zeit sind. Damit bekommt ein größerer Teil vor allem jüngerer Leute wieder einen Zugang zur Volksmusik - aber auch jene, die im Hamburger Schauspielhaus bei unserem Ländler zu schunkeln anfingen. Natürlich gibt es auch bei der „neuen“ Volksmusik die Gefahr, daß sie sich durch die Marktmechanismen einer originalitätssüchtigen Gesellschaft verbiegen läßt. Aber sie trägt noch am ehesten die Möglichkeit in sich, der Bedeutung des Begriffs Volksmusik wieder gerecht zu werden.

Hans Well, von dem dieser Text stammt, ist der Textautor der Biermösl Blosn, zu der daneben seine Brüder Michael und Christoph gehören.

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