Endlich: das Kufsteinlied auf koreanisch !

Als wir in Südkorea im Rahmen einer vom Goetheinstitut organisierten Tournee spielten, war für uns interessant zu beobachten, wie sehr das deutsche Kulturgut auch dort von volkstümlichen Klischees verklebt ist. Jodlerlokale mit Alpsjodler gibt es gleich mehrere in Seoul, und Teile des Publikums waren zutiefst überrascht, daß bayerische Musikanten ums Verrecken nicht das Kufsteinlied und den Schneewalzer spielen, sondern diese - wie ein koreanischer Musikprofessor es ausdückte - „eigenartig schöne Musik“. In „Lotte World“, dem koreanischen Disneyland, jodelt aus einer Ecke permanent die volkstümliche Hitparade, und das Kufsteinlied wurde gottseidank jetzt endlich auch ins Koreanische übersetzt. Kein Wunder bei dem, was vom volkstümlichen Wirtschaftsstandort Deutschland so über den Äther schunkelt. So ist z.B. Stefanie Hertel in der global ausgestrahlten Deutschen Welle in einer Kultursendung zu sehen, wie sie mit leicht wiegendem Rhythmus ziemlich zusammengezwickt als alpenländisch gewandetes Mädel aus Thüringen die Schlichtheit volkstümlicher Texte unter Beweis stellt.

Der Auftritt des Musikantenstadels 1996 in Südafrika ist schon in die Annalen der alpen­ländischen Fernseh­kultur­geschichte eingegangen und wurde inzwischen mindestens zweimal wiederholt. Während der Sendung hielt mich nur das Prinzip Hoffnung aufrecht, daß die zahlreichen Bildstörungen auf Kabelattacken irgendwelcher Pygmäenstämme zurückzuführen waren, die sich diesen vom BR zu verantworteten Angriff auf die menschliche Kultur nicht länger mitanschauen wollten. Eine Live - Sendung von über zweieinhalb Stunden aus Südafrika, in der dann nur Voll - Playback gesungen und musiziert wird, ist - ganz abgesehen von den Kosten - schon irgendwie ziemlich absurd. Noch schlimmer aber war, daß diese Peinlichkeit live im Südafrikanischen Fernsehen übertragen wurde. Was werden sich wohl die Zulus dabei gedacht haben, als Heino Schwarzbraun ist die Haselnuß playbackte und die Raataldirndln erkennbar synchronjodelten ? Wahrscheinlich haben sie sich gewundert. Warum nach den „Stadln“ in Australien, Kanada, Moskau und Kapstadt als nächstes nicht eine Livesendung mit Marianne und Michael von der Raumstation „Mir san Mir“, um das Bild vom Alpenländischen Kulturweltburger auch Außerirdischen zuteil werden zu lassen ? Die Kulturarbeit der Goethe - Institute wird mit jeder dieser Sendungen um Jahrhunderte zurückgeworfen, so daß das Schließen vieler Insitute insofern nur konsequent ist. Freilich hat es Kitsch zu allen Zeiten gegeben. Bemerkenswert scheint mir allerdings die Dominanz dieser stupiden, teilweise debilen Musik, ohne daß offensichtlich der sonst nicht unbeträchtliche politische Einfluß im Interesse einer vielfältigeren kulturellen Selbstdarstellung geltend gemacht wird.

Wer hier auf die Einschaltquoten verweist, sollte an Huxleys Zukunftsvisionen erinnert werden: „Wenn sich eine Kultur in Trivialitäten zertstreut, wenn öffentliches Reden (Singen) zu einer Art Baby - Gestammel verkommt, kurzum, wenn sich ein Volk in ein Publikum von Zuschauern verwandelt... dann ist ein solches Land aufs höchste gefährdet und das Absterben seiner Kultur zeichnet sich ab.“ Ohne gleich den Untergang des Abendlandes beschwören zu wollen: Der Niedergang eines qualitativ guten und vielfältigen Volksmusikerbes und seine Ablösung durch einen kitschigen 0815 - Ersatz ist leider eine traurige Tatsache.

volXmusik.de

Das Internetportal zur Förderung und Verbreitung frischer, handgemachter, lebendiger, ehrlicher, frecher, zeitgemäßer, bodenständiger Volksmusik durch interaktive Vernetzung von Sängern, Musikanten und Freunden dieses Genres in Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz.