Die Volksmusikakademie kann jetzt auch Festival

Der „Bairische Geigentag“ trotzt dem Wetter fast problemlos

Am Pfingstwochenende ging in Freyung an der „Volksmusikakademie in Bayern“ erstmals der „Bairische Geigentag“ über die Bühne. Armin Weinfurter hat sich mit Organisator Roland Pongratz unterhalten, wie es gelaufen ist.

, Freyung [Volksmusikakademie]

Vier Tage im Zeichen der Geige in Freyung. Wie ist Ihre Stimmungslage? Sind Sie zufrieden, wie die Veranstaltung gelaufen ist?

Meine Stimmungslage!? Einerseits bin ich froh und glücklich, dass der „Bairische Geigentag“ zu Ende ist und dass ganz viel von dem, was wir geplant haben, auch funktioniert hat und angenommen wurde. Andererseits hat das Wetter nicht so mitgespielt, wie wir es uns gewünscht hätten. Der „Geigentag“ hätte bei schönem Wetter sein musikalisches Flair besser entfalten und in die Stadt hineintragen können. So blieb alles relativ stark konzentriert auf die „Volksmusikakademie“.

Ein Wermutstropfen also?

Nein, absolut nicht. Am Pfingstwochenende sind einige Open-Air-Veranstaltungen in der Region dem Regen zum Opfer gefallen. Wir hatten ein Dach über dem Kopf … und was für eines! Das gesamte Programm konnte problemlos abgewickelt werden.

Eigentlich ist die „Volksmusikakademie in Bayern“ ja ein Proben- und Seminarhaus, jetzt aber hat es bewiesen, dass es auch Musikfestival kann. Und zwar gar nicht schlecht. Die großzügigen Räumlichkeiten haben hier sehr schöne Möglichkeiten eröffnet, die von den Aktiven bestens angenommen und massiv gelobt wurden. Überhaupt haben wir an den vergangenen vier Tagen sehr viele positive Rückmeldungen zur „Volksmusikakademie“ im Allgemeinen und zum „Geigentag“ im Speziellen erhalten. Das freut natürlich das ganze Team sehr.

Sie sprechen vom „ganzen Team“. Wer war bei den Vorbereitungen und der Durchführung eingebunden?

Im Wesentlichen war das die Frau- bzw. Mannschaft der „Volksmusikakademie“. Hier sind alle Fäden zusammengelaufen, hier wurde im Vorfeld und auch während des „Geigentags“ quasi rund um die Uhr organisiert, vorbereitet, auf- und umgebaut, bewirtet u.v.a.m. Konzeptionelle Unterstützung im Vorfeld kam von unseren Partnern im Kulturreferat des Bezirks Niederbayern und in der Abteilung Volksmusik beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e. V.

So ein Festival bereitet wesentlich mehr Arbeit und Mühen, als man von außen glauben mag. Die Tücke steckt wie so oft im Detail. Und bei einer Premiere, wie der des „Bairischen Geigentags“, kann man ja auf keinerlei Erfahrungen zurückgreifen. Man kann nur vorausahnen, mehrgleisig fahren, spontan und flexibel bleiben. Ich denke, das haben wir sehr gut geschafft, da kann ich unserem ganzen Team um Gaby Beck nur ein ganz dickes Lob aussprechen. Viele Besucher und Musikanten haben das auch getan und die Freundlichkeit und Offenheit in der „Volksmusikakademie“ vielfach gewürdigt. Und das Ganze wurde ja in relativ kurzer Zeit und parallel zum „normalen“ Seminarbetrieb gestemmt und abgewickelt – noch bis Freitag hatten wir eine Schule aus Österreich bei uns zu Gast und seit Dienstag läuft unser „Voixmusi-Camp“ mit rund 50 jungen Teilnehmern. Da sind dann wirklich alle maximal gefordert.

War die kurze Vorbereitungszeit ein Manko? Erst Ende Februar fiel schließlich die Entscheidung den „Bairischen Geigentag“ aus dem Tölzer Land nach Freyung zu holen.

Ich sag mal so: Natürlich wäre mehr Vorlauf besser gewesen, nicht so sehr zum Organisieren, sondern zum Sensibilisieren. Pfingsten ist Urlaubs- und Reisezeit, da wird oft langfristig gebucht und dann können halt verschiedene Ensembles nicht teilnehmen, weil meinetwegen der 1. Geiger weggefahren ist. Und auch bei den potenziellen Besuchern muss erst mal in die Köpfe rein, dass am Pfingstwochenende in Freyung etwas Besonderes, etwas Musikalisches, etwas Unterhaltsames geboten ist. Letzteres ist uns interessanterweise bei den Auswärtigen – etwa aus Passau, Straubing, Regensburg oder Deggendorf – scheinbar besser gelungen, als bei den Freyungern selbst – die haben das Event ein bisserl „verschlafen“ … oder sie hatten „Angst“ vor Geigenmusik. [lacht]

Was waren für Sie die Höhepunkte beim „Geigentag 2025“?

Zwei Dutzend Workshops mit mehr als 200 Teilnehmern aus allen Ecken Bayerns und dem benachbarten Österreich. Alt und Jung, Anfänger und Fortgeschrittene wurden von sehr renommierten Dozentinnen und Dozenten unterrichtet. Viele kamen mit leuchtenden Augen aus den Kursen und freuten sich über ganz bemerkenswerte Tipps und Tricks, die ihnen vermittelt wurden, und die sie gleich noch vor Ort anwenden konnten. Dazu kommen noch alle rund 220 Schülerinnen und Schüler an der Grundschule Freyung, die von einer Geigenspielerin und Musikpädagogin besucht wurden.

Am Donnerstag gabs ein fulminantes Eröffnungskonzert mit „Maxjoseph“ und auch von Freitag bis Sonntag fanden quasi am laufenden Band umjubelte Auftritte von verschiedenen Ensembles und Solisten statt. Insgesamt haben 17 Ensembles unterschiedlichster Couleur mit etwa 90 Aktiven ein abwechslungsreiches und hochklassiges Programm bestritten: von Kirchenmusik bis zur Wirtshausunterhaltung, von der Salonmusik bis zum Jazzkonzert, von der Weltmusik bis zum Irish Folk. Alle gut besucht und im passenden Ambiente, mal im Gewölbesaal, mal in unserer akustisch wunderbaren „Black Box“. Und auch der musikalisch großartig gestaltete Pfingstgottesdienst in der Stadtpfarrkirche ist dem Applaus der Besucher nach vielen zu Herzen gegangen.

Überhaupt hat mir sehr gefallen, dass sich zahlreiche Musiker aus dem direkten Umfeld eingebracht haben, „Ringelirish“ etwa oder die „Wolfstoana“ und die „Orchestervereinigung Freyung“ – jeder soll beim „Geigentag“ seinen Platz und sein Podium finden, auch in Zukunft.

Stichwort Zukunft: Der nächste „Bairische Geigentag“ soll an Pfingsten 2026 über die Bühne gehen. Bleibt es dabei?

Ich gehe fest davon aus. Wir wollen die Veranstaltung im zweijährigen Turnus fest in Freyung etablieren. Wir haben bei der heurigen Premiere wichtige Erfahrungen gesammelt, auf die wir jetzt reagieren können, um das Festival moderat weiterzuentwickeln. Nach der vielen positiven Resonanz bin ich sehr davon überzeugt, dass wir 2026 ein deutliches Stück wachsen werden. Darauf freue ich mich, weil es immer schön ist, wenn Ideen ankommen und langsam gedeihen. Das muss und darf auch gerne von innen herauswachsen. Es haben sich z. B. schon einige weitere an Auftritten interessierte Ensembles vormerken lassen und auch eine junge Geigenbauerin hat sich gemeldet, die sich in zwei Jahren einbringen will.

Eines muss aber auch klar sein: Wenn die Veranstaltung wächst, kommt die „Volksmusikakademie“ nicht weiter ohne Hilfe von außen aus. Es werden einfach zu viele Handgriffe, die dann nicht mehr von unserem überschaubaren Team alleine bewältigt werden können. Da hoffe ich dann auf maßgebliche Unterstützung von verschiedenen Seiten, um die Last auf möglichst viele Schultern verteilen zu können. Und da ist uns wirklich schon mit kleinen Unterstützungsleistungen geholfen, etwa beim Plakataufhängen, der Künstlerbetreuung oder dem Aufbau von Biergarnituren. Ich freue mich auf jeden Fall auf alle, die sich 2026 einbringen mögen.

Noch eine letzte Frage: War Franz Mayrhofer, der Gründer des „Bairischen Geigentags“, in Freyung und wie hats ihm gefallen?

Franz war mit seiner Frau Sissy zwei Tage mit dabei – nein, eigentlich waren sie mittendrin. Sie haben Workshops gegeben, aufgespielt, gelauscht, gelacht … Sie sind am Sonntag glücklich und freudestrahlend abgereist. Sie haben uns zur Premiere beglückwünscht und uns ihre Eindrücke vermittelt. Wir werden weiter in engem Austausch bleiben und natürlich ihren Ratschlägen – jetzt aus Teilnehmersicht – besondere Aufmerksamkeit schenken. Ihre Erfahrungswerte sind für uns besonders wichtig. Der „Bairische Geigentag“ soll schließlich auch weiterhin ein außergewöhnlicher Treff- und Begegnungspunkt

#934 Bayern, Niederbayern, Veranstaltungsrückblicke

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